Medizin
Weltweiter Zugang zur Medizin
In vielen Regionen der Welt ist eine ausreichende medizinische Versorgung keine Selbstverständlichkeit. Bayer setzt sich deshalb weltweit dafür ein, mehr Menschen Zugang zu Medikamenten und Gesundheitsdienstleistungen zu ermöglichen. Mit der neuen Strategie der „Social Health Care Programs“ will Bayer sich dort engagieren, wo der Bedarf am größten und die eigene Kompetenz am höchsten ist.
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| Dr. Ulrich Köstlin, Mitglied des Executive Committee der Bayer HealthCare AG „Wir sehen unseren Einsatz für eine nachhaltige Gesundheitsversorgung als ein zentrales Element unserer unternehmerischen Verantwortung.“ |
Die Herausforderungen sind groß: Häufig fehlen nicht nur Medikamente, sondern auch Krankenhäuser und Behandlungsräume, ausreichend ausgebildetes Personal und Informationen zur Gesundheitsvorsorge. „Die Menschen in Entwicklungsländern trifft es besonders hart“, sagt Dr. Ulrich Köstlin, Mitglied des Vorstands der Bayer Pharma AG sowie des Bayer HealthCare Executive Committee. „Viele leben in Regionen, in denen es klimabedingt viele Krankheitserreger gibt. Die weitverbreitete Armut sorgt zusätzlich für ein Lebens- und Wohnumfeld, das die Ausbreitung von Krankheiten begünstigt.“
Als Unternehmen, das sich seiner Verantwortung bewusst ist, unterstützt Bayer die internationalen Anstrengungen, die medizinische Versorgung weltweit zu verbessern. Dies geschieht in einem breiten Netzwerk internationaler Organisationen, Regierungen, Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) – denn wirksame Lösungen im Gesundheitswesen lassen sich nur gemeinsam entwickeln.
Strategie zur weltweiten Gesundheitsversorgung entwickelt
Bayer entwickelt, produziert und vermarktet Medikamente, die helfen, Menschenleben zu retten und die Lebensqualität von Patienten und ihren Angehörigen zu verbessern. Damit möglichst viele Menschen davon profitieren können, hat die Bayer-HealthCare-Division Bayer HealthCare Pharmaceuticals 2008 eine Strategie erarbeitet, die den Zugang zu Gesundheitsversorgung fördern soll – die „Social Health Care Programs“ (SHCP).
Diese Strategie bündelt die bisherigen Maßnahmen im Bereich Social Health Care und setzt drei klare Schwerpunkte: Reproduktive Gesundheit (Familienplanung), Bekämpfung vernachlässigter Tropenkrankheiten und Programme für einen verbesserten Zugang zu innovativen Medikamenten. „Wir wollen uns auf Projekte konzentrieren, bei denen wir eine besondere Kompetenz besitzen“, erklärt Köstlin, „denn so können wir am meisten erreichen.“
Im Idealfall gehen gesellschaftlicher und unternehmerischer Mehrwert dabei Hand in Hand. Um nachhaltige Lösungen zu entwickeln, braucht man allerdings Zeit. Bayer setzt deshalb auf langfristiges Engagement und fördert insbesondere Projekte, die über einen längeren Zeithorizont hinweg strukturelle Veränderungen ermöglichen. „Selbstverständlich werden wir auch weiterhin in Notsituationen schnell und gezielt Hilfe leisten durch die Spende von Medikamenten oder medizinischer Ausrüstung. Der Schwerpunkt liegt aber klar auf einer dauerhaften Verbesserung der Gesundheitsversorgung“, erläutert Köstlin die Förderstrategie.
Ein weiteres Ziel der Strategie besteht darin, mehr Transparenz zu schaffen. So sollen künftig klare Kriterien die Entscheidung für oder gegen ein Förderprojekt erleichtern. Eine zentrale Stelle bei Bayer HealthCare Pharmaceuticals in Berlin wertet für den Konzern die Projekte aus und bereitet die Auswahl neuer Projekte vor. Bayer ist überzeugt, dass dieses Engagement auch den unternehmerischen Erfolg des Unternehmens positiv beeinflussen wird. Durch eine differenzierte Preisgestaltung, die die Krankheitslast und den Entwicklungsstand des jeweiligen Empfängerlandes berücksichtigt, wird der Zugang zu Arzneimitteln nachhaltig verbessert. Diese differenzierte Preisgestaltung hilft auch, neue Märkte zu erschließen und bestehende Märkte auszubauen. Damit trägt SHCP zur wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit des Unternehmens bei. Der Konzern unterstützte daher auch die Evaluierung des „Access to Medicine Index“. Dieser Index wurde 2008 von der „Access to Medicine Foundation“ sowie einer Reihe engagierter Investmentgesellschaften ins Leben gerufen, um die Beiträge von Unternehmen zu einem besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung transparent und international vergleichbar zu machen
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Selbstbestimmte Familienplanung ermöglichen
Menschen eine selbstbestimmte Familienplanung zu erschwinglichen Preisen zu ermöglichen und die Mütter- und Säuglingssterblichkeit zu senken – das ist das Ziel des Bayer-Engagements im Bereich Familienplanung. „Als Marktführer bei hormonellen Verhütungsmitteln können wir auf große Erfahrung und eine langjährige Tradition bei der Förderung von Frauengesundheit und Familienplanung zurückgreifen“, erläutert Köstlin. Partner sind u. a. die „Reproductive Health Supplies Coalition“ (RHSC) – eine gemeinsame internationale Initiative von Regierungen, Unternehmen und NGOs–, der Bevölkerungsfond der Vereinten Nationen und eine Reihe von Entwicklungshilfe- Organisationen. Im Rahmen dieser Programme werden verschiedene Verhütungsmittel zum Selbstkostenpreis oder zu stark ermäßigten Preisen abgegeben. Allein durch eine im August 2008 initiierte Zusammenarbeit mit der Organisation John Snow Inc. und der US-amerikanischen Entwicklungsbehörde „United States Agency for International Development“ (USAID) erhalten künftig acht Millionen Frauen in Entwicklungsländern Zugang zu hormonaler Empfängnisverhütung und Gesundheitsaufklärung.
Therapien gegen vernachlässigte Krankheiten fördern
Den zweiten Schwerpunkt der SHCP-Strategie bilden die tropischen und infektiösen Krankheiten. Dabei legt Bayer besonderen Wert auf Therapien vernachlässigter Tropenkrankheiten, die nicht im Zentrum des weltweiten Interesses liegen.
So konzentriert sich der Konzern in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation WHO seit 2003 auf die Bekämpfung der in Lateinamerika verbreiteten Chagas-Krankheit, die in erster Linie durch Raubwanzen übertragen wird und an deren Folgen jährlich rund 14.000 Menschen sterben. Mit der Migration verbreitet sich die Krankheit zunehmend, sodass inzwischen auch Nordamerika, Europa und der westpazifische Raum davon betroffen sind.
Seit 2003 stellt Bayer HealthCare deshalb der WHO kostenlos das Medikament Lampit® zur Verfügung, dessen Wirkstoff Nifurtimox den Krankheitserreger wirkungsvoll bekämpft. Bayer und die WHO eint dabei die Überzeugung, dass die Chagas-Krankheit nicht nur geheilt, sondern langfristig einge dämmt werden kann. Das Unternehmen überlegt daher zusammen mit der WHO eine Ausweitung des Programms.
Ähnlich engagiert sich Bayer bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schlafkrankheit, die von der Tsetse-Fliege übertragen wird. Die Krankheit ist eine der komplexesten tropischen Erkrankungen. Der parasitäre Erreger ist besonders verbreitet unter der ärmsten Bevölkerung in ländlichen Gebieten des subsaharischen Afrika. Dazu kooperiert Bayer HealthCare mit dem Sonderprogramm der Vereinten Nationen für Forschung und Fortbildung auf dem Gebiet der Tropenkrankheiten (Special Programme for Research & Training in Tropical Diseases, TDR). Im Rahmen dieser Zusammenarbeit hat Bayer klinische Studien unterstützt, um die Eignung des Wirkstoffs Nifurtimox für die Behandlung der Afrikanischen Schlafkrankheit zu prüfen. Für diese Indikation hat die WHO Lampit® im April 2009 für die Kombinationstherapie auf ihre Liste unentbehrlicher Medikamente für Entwicklungsländer (Essential Drug List) gesetzt.
Darüber hinaus stellt Bayer HealthCare seit 2003 der WHO das Medikament mit dem Wirkstoff Suramin zur Bekämpfung der Afrikanischen Schlafkrankheit bereit.
Zudem spricht sich Bayer für eine „Integrierte Schlafkrankheits“-Initiative aus, die die Kräfte und Kompetenzen bündeln und alle Aspekte im Kampf gegen die Krankheit einschließen soll – von der Infektion über die Diagnose und Therapie bis hin zur Prävention.
Malaria wirksam bekämpfen
Noch immer stellt Malaria, an der jährlich rund 880.000 Menschen sterben, die gefährlichste Tropenkrankheit dar. Bayer engagiert sich auch hier seit Jahren mit verschiedenen Partnern dafür, die Ausbreitung und Folgen der Krankheit zu mindern. Beispielsweise entwickelte Bayer CropScience in Kooperation mit Entwicklungshilfe-Organisationen wie usaid und NetMark ein Moskitonetz, das durch eine spezielle Imprägnierung mit einem Insektizid um ein Vielfaches wirkungsvoller ist als herkömmliche Netze.
Auch an weiteren internationalen Initiativen und Projekten wie der „Corporate Alliance for Malaria Control in Africa“ (CAMA) und der „Global Collaboration for the Development of Public Health Pesticides“ (GCDPP) ist Bayer beteiligt. Besonders Erfolg versprechend ist das von der „Bill & Melinda Gates Foundation“ seit 2005 geförderte „Innovative Vector Control Consortium“ (IVCC). Kürzlich wurde eine weitere Forschungsvereinbarung getroffen. Ziel dieses – zunächst für einen Zeitraum von drei Jahren angelegten – Projekts ist es, neue Wirkstoffe zu finden. Diese sollen als sogenannte „Public Health Products“ (PHPS) zum Schutz der öffentlichen Gesundheit gegen Mücken wirksam sein, die Krankheiten übertragen und gegenüber herkömmlichen Insektiziden resistent sind.
Tuberkulose wirksamer behandeln
Handlungsbedarf besteht auch bei der Tuberkulose, die die weltweite Statistik der tödlichen Infektionskrankheiten anführt. Besonders betroffen sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem: Schätzungen der Universität Lübeck (Deutschland) zufolge erkranken Menschen mit einer HIV-Infektion 20-mal häufiger an Tuberkulose als Nicht-Infizierte.
Gemeinsam mit der „Global Alliance for TB Drug Development“, kurz TB Alliance, arbeitet Bayer weltweit an der Entwicklung eines Tuberkulosemedikaments, das die Behandlungszeit stark verkürzen soll. Im Jahr 2011 soll die dritte Phase der klinischen Entwicklung abgeschlossen sein, die für die Zulassung des von Bayer hergestellten Wirkstoffs Moxifloxacin relevant ist. Dabei handelt es sich um ein Antibiotikum, das bisher nicht für die Behandlung von TB zugelassen ist. Als Mitglied der „Global Business Coalition on HIV/AIDS, Tuberculosis and Malaria“ (CAMA) engagiert sich Bayer u. a. in Indien und China mit Aufklärungsprogrammen und Informationskampagnen zum Thema Tuberkulose.
Weltweite Behandlungslücken schließen
Im Rahmen der dritten Säule der SHCP-Strategie engagiert sich Bayer mit Programmen für den Zugang zu innovativen Medikamenten zur Behandlung schwerwiegender und chronischer Erkrankungen. Dazu gehört beispielsweise die Behandlung onkologischer Krankheitsbilder, die in Entwicklungs- und Schwellenländern bisher nur sehr eingeschränkt möglich ist. Bayer wird in Zukunft gezielt Aktivitäten entwickeln und fördern, die die Therapie in diesen Bereichen weltweit verbessern.
Ein 2007 in China gestartetes Zugangsprogramm für den Wirkstoff Sorafenib gegen Nierenzellkarzinom und Leberzellkarzinom weist bereits in diese Richtung: Bayer unterstützt dort Patienten, bei denen die Krebsdiagnose gesichert ist, dabei eine ausreichende Behandlung mit Nexavar® zu erhalten. Eine Ausweitung des Programms auf weitere asiatische Länder läuft bereits in Indien und ist auch für Länder außerhalb Asiens in Planung.
Ähnliche Programme bietet Bayer auch in westlichen Ländern an, wenn die Behandlung Patienten aus Kostengründen verwehrt ist. In den USA beispielsweise stellt der Konzern Krebs- und Multiple-Sklerose-Patienten, die sich eine Behandlung nicht leisten können, kostenlos Medikamente bereit.
Forschung dauerhaft finanzieren
Einige NGOS fordern, dass internationale Pharmaunternehmen ihre Produkte und Leistungen in armen Ländern kostenlos zur Verfügung stellen oder preiswerte Nachahmerprodukte zulassen sollen. Forschung ist allerdings sehr kostenintensiv und langwierig – als forschendes Pharmaunternehmen muss Bayer über den Preis etablierter Medikamente die Forschung an künftigen Behandlungsmöglichkeiten finanzieren. Patente sind für weitere Fortschritte im Gesundheitswesen unverzichtbar. „Wir haben derzeit 50 Arzneimittel-Forschungsprojekte in der klinischen Erprobung“, erklärt Köstlin. „Diese enormen Investitionen in medizinische Innovationen könnten wir bei einem Verzicht auf den Patentschutz nicht leisten.“
Das schließt jedoch nicht aus, dass medizinische Innovationen auch in Entwicklungsländern zu erschwinglichen Preisen verfügbar sind. Zum einen sind die meisten der von der WHO als unverzichtbar aufgelisteten Arzneimittel nicht mehr patentgeschützt. Zum anderen hat Bayer für patentierte Medikamente eine differenzierte Preisstrategie entwickelt, die sich an der wirtschaftlichen Situation des jeweiligen Landes orientiert. Individuelle Vereinbarungen mit den Regierungen stellen sicher, dass auch Patienten in ärmeren Ländern die Bayer-Medikamente erhalten. Auch beteiligt sich der Konzern an Medikamentenspenden durch die WHO.
Bayer im Dialog: Symposium zur Familienplanung
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| Mercy Mkaluma Maghanda, Jugendberaterin bei der dsw, im Gespräch mit Simone Paetow, Berliner Jugendwerk Aufbau Ost e. V. Mercy berichtete von ihren Erfahrungen mit Teenager-Schwangerschaften in Kenia und appellierte an die internationale Gemeinschaft, Teenager-Schwangerschaften nicht zu ignorieren. |
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| Dr. Ann Ginsberg, Chief Medical Officer, Global Alliance for tb Drug Development (TB Alliance) |
Etwa alle 20 Sekunden stirbt ein Mensch an Tuberkulose, das entspricht fast 5.000 Menschen jeden Tag. Allein 2007 forderte TB nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO rund 1,8 Millionen Menschenleben. Die heutigen Tuberkulose-Therapien wurden bereits in den 1960er-Jahren entwickelt. Sie sind kompliziert und langwierig. Die Therapiedauer von sechs bis zu 24 Monaten erschwert es den Patienten, die Behandlung konsequent zu Ende zu führen und fördert die Entstehung von Arzneimittelresistenzen.
Die TB Alliance entwickelt zurzeit das größte je aufgestellte Portfolio an potenziellen neuen Tuberkulose-Therapien. Am weitesten gediehen ist ein gemeinsam mit Bayer HealthCare realisiertes Projekt, das sich in der klinischen Phase III befindet. Darin wird untersucht, ob das Mittel Moxifloxacin die Therapie signifikant verkürzen kann. Eine kürzere Behandlungsdauer könnte es den Patienten erleichtern, die Therapie konsequent zu befolgen, die Ausbildung einer Arzneimittelresistenz verzögern und die Kosten der medizinischen Versorgung in den betroffenen Ländern senken.
Im Laufe der nächsten Jahre wollen wir – nach über 40 Jahren – die ersten neuen, kürzeren Therapien für aktive Tuberkulose registrieren lassen und unsere Programme zur Entdeckung neuer Arzneimittel und ihrer klinischen Entwicklung weiter ausbauen. Wir werden das Portfolio in Richtung verbesserte und innovative Therapien gegen arzneimittelsensitive und arzneimittelresistente Tuberkulose weiterentwickeln. Dabei ist die TB Alliance auch weiterhin auf eine enge Zusammenarbeit mit Partnern aus der Wirtschaft angewiesen. Wir zählen auf Unternehmen wie Bayer HealthCare, das wir im Kampf gegen eine der weltweit bedeutendsten Krankheits- und Todesursachen als einen engagierten und zuverlässigen Mitstreiter kennengelernt haben.

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