Leistungsbericht

Menschenrechte

Bayer gehört zu den Gründungsmitgliedern des UN Global Compact, der sich weltweit für eine nachhaltige und ethische Unternehmensführung einsetzt. Das 60. Jubiläum der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte (UN Menschenrechtscharta) im Jahr 2008 haben wir zum Anlass genommen, unser Bekenntnis zu einem fairen und respektvollen Miteinander erneut zu bekräftigen.

Unsere Position zum Thema Menschenrechte

Unser Leitbild, unsere Werte und Führungsprinzipien, unsere „Bayer Sustainable Development Policy“ und unsere „Corporate Compliance Policy“ verpflichten alle Bayer-Beschäftigten zum respektvollen Verhalten gegenüber Mitarbeitern, Kollegen, Geschäftspartnern und Kunden. Im Nachhaltigkeitsbericht 2006 haben wir die „Position von Bayer zum Thema Menschenrechte“ veröffentlicht, die seit dem 1. November 2007 als konzernweite Richtlinie für alle Mitarbeiter verbindlich ist. Sie liegt als offizielle Unternehmenspublikation in neun Sprachen vor und wurde inzwischen von allen Konzernführungsgesellschaften in Kraft gesetzt. Seit dem 1. Januar 2009 gilt eine überarbeitete Fassung.

Kernaussagen der Position von Bayer zum Thema Menschenrechte

  1. Bayer garantiert weltweit faire Arbeitsbedingungen.
  2. Jede Form von Zwangs- oder Pflichtarbeit ist strikt verboten.
  3. Bayer untersagt jegliche Art der Belästigung und Diskriminierung.
  4. Alle Mitarbeiter haben das Recht auf Vereinigungsfreiheit und Tarifverhandlungen.
  5. Kinderarbeit wird von uns nicht geduldet.
  6. An allen Standorten gewährleisten wir durch einheitlich hohe HSEQ-Standards Gesundheit und Arbeits-sicherheit der Beschäftigten und Anlieger.

Kommunikation und Training zum Thema Menschenrechte

Die Richtlinie ist in ihrer aktuellen Version über unser weltweit verfügbares Datenbanksystem jederzeit abrufbar. Da Führungskräfte bei der Wahrung und Vermittlung der Menschenrechte eine besondere Verantwortung tragen, wurde eine spezielle Bayer-Broschüre zum Thema Menschenrechte mit einem persönlichen Anschreiben des Personalvorstands an rund 8.000 Bayer-Manager in Deutschland, Österreich und der Schweiz versandt. Bis Ende 2009 soll eine englischsprachige Version der Broschüre den weltweiten Führungskräften zur Verfügung gestellt werden.
Zusätzlich entwickelt die Personalabteilung derzeit eine Trainingsunterlage, die die Führungskräfte ab Mitte 2009 bei der Einführung und Schulung ihres Teams zum Thema Menschenrechte unterstützen soll. Mitarbeiter, die neu ins Unternehmen eintreten, werden über unser globales Mitarbeiterportal HR//direct online und ein darin abrufbares e-Learning-Tool mit den Inhalten der Richtlinie und deren Bedeutung vertraut gemacht.

Weltweite Monitoring- und Anreizsysteme

Unsere Corporate-Compliance-Organisation steht den Beschäftigten weltweit für Fragen zur Verfügung und geht möglichen Beschwerden konsequent nach link. Auch unser Performance-Management unterstützt die Umsetzung der Richtlinie: In den jährlichen Leadership-Zielen, die wir mit unseren rund 25.000 Führungskräften vereinbaren, können auch Menschenrechtsaspekte adressiert werden. Dies ist insbesondere in Ländern und Regionen, in denen ein erhöhtes Risiko für Menschenrechtsverletzungen besteht, ein wichtiges Führungsinstrument.

Achtung der Menschen- und Arbeitnehmerrechte in China

In den vergangenen Jahren haben wir unsere Produktionskapazitäten in China massiv ausgebaut, die Zahl unserer Mitarbeiter ist stark gewachsen. Wir stehen dort im intensiven Kontakt mit zivilgesellschaftlichen Akteuren wie Universitäten und Medien und suchen den Dialog mit Nichtregierungsorganisationen. Bayer unterstützt die chinesische Regierung bei der Einführung eines neuen Arbeitsrechts, das die Arbeitnehmerrechte stärkt. Wir haben ein internes Regelwerk entwickelt, das das örtliche Arbeitsrecht ergänzt und unsere Mitarbeiter mit unseren Unternehmenswerten vertraut macht. Unser landesweit geltender „Human Resources Governance Code“ verpflichtet alle zum fairen, offenen und gerechten Umgang miteinander. Alle Beschäftigten in China haben Zugang zur staatlichen sowie betrieblichen Krankenversicherung und zu weiteren Sozialleistungen von Bayer. Auch ein umfassendes Aus- und Weiterbildungsangebot steht ihnen zur Verfügung. Die Arbeitszeit ist vertraglich auf 40 Wochenstunden festgelegt, und es wurden erste Arbeitnehmervertretungen eingerichtet. An allen Standorten gewährleisten Teams aus Spezialisten für Gesundheit, Sicherheit und Umweltschutz (HSE) die Sicherheit der Beschäftigten und Anlieger.

Verantwortung in der Lieferkette

Auch von unseren Geschäftspartnern erwarten wir, dass sie die Menschenrechte respektieren und zu deren Durchsetzung beitragen. Die „Bayer-Leitlinie Procurement“ und unsere Einkaufsleitsätze „Anforderungen an unsere Lieferanten“ stützen sich deshalb auf die Grundsätze des UN Global Compact und die Bayer-Position zum Thema Menschenrechte.
2008 haben wir unsere Strategie für Nachhaltigkeit im Einkauf erweitert und unsere Anforderungen an die Lieferanten im Hinblick auf Menschenrechte, Arbeitsbedingungen, Umwelt und Managementsysteme ausgebaut. Dazu hat die Procurement Community im Vorfeld intensive Gespräche mit zahlreichen Stakeholdern geführt, Workshops zur Risikobewertung mit Einkäufern veranstaltet sowie die Struktur der Lieferanten und Einkaufsregionen genau analysiert. Denn der Dialog und die enge Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten sind für uns wichtige Erfolgskriterien für ein nachhaltiges Beschaffungsmanagement. Wir streben an, die Verhaltensregeln für Nachhaltigkeit im Einkauf in Form eines Verhaltenskodex 2009 schrittweise zu implementieren. Unsere Lieferanten werden durch die Einkaufsabteilungen der Teilkonzerne und Servicegesellschaften künftig auf Grundlage dieses Verhaltenskodex bewertet link.

Erfolgreicher Kampf gegen Kinderarbeit

Unsere Position zum Thema Menschenrechte ist unmissverständlich und beinhaltet ein striktes Verbot von Kinderarbeit. Allerdings ist Kinderarbeit leider in vielen Ländern noch weitverbreitet. In Indien haben wir Ende 2002 das Saatgutunternehmen Proagro (heute Bayer BioScience Pvt. Ltd.) übernommen und wurden dabei mit Kinderarbeit in der Produktion von Baumwollsaatgut konfrontiert. Unmittelbar nachdem wir Kenntnis davon erhielten, haben wir mit dem Aufbau eines effektiven Pakets von Gegenmaßnahmen begonnen.
Ziel unseres mehrstufigen Aktionsprogramms in Indien ist es, den Kindern und ihren Familien in den Anbaugebieten zu verdeutlichen, dass Kinderarbeit kein Weg sein darf, um den Lebensunterhalt sicherzustellen. Neben einem effektiven Monitoring auf den Anbauflächen beinhaltet das „Bayer CropScience Child Care Program“ das Angebot von Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Zudem klären wir Farmer, Eltern, Kinder und die ganze Dorfgemeinschaft umfassend über die negativen Auswirkungen von Kinderarbeit auf. Die Bauern werden im Rahmen des Monitorings beraten, wie sie die Produktion ihrer Flächen steigern können, und erhalten Zugang zu günstigen Mikrokrediten.
Gemeinsam mit der indischen Naandi Foundation haben wir beispielsweise seit 2005 insgesamt 19 sogenannte „Creative Learning Centers“ gegründet, durch die seitdem über 1.000 Kinder in das Schulsystem integriert werden konnten. Bayer CropScience hat im Januar 2008, gemeinsam mit lokalen Institutionen in der Nähe von Hyderabad, ein landwirtschaftliches Berufsbildungszentrum, die „Bayer School of Agriculture“, eröffnet. Ein Jahr darauf konnte der erste Jahrgang von 27 Schülern verabschiedet werden. Noch vor den Abschlussprüfungen hatten 19 Absolventen bereits Stellenangebote. So tragen wir dazu bei, die Zukunftschancen der Kinder und Jugendlichen zu verbessern.
Mit unseren Lieferanten, die Saatgut für uns produzieren, schließen wir eine eindeutige vertragliche Verpflichtung, die den Einsatz von Kindern als Arbeitskräfte auf den Feldern untersagt. Zur Überprüfung besuchen unsere Monitoring-Teams mindestens sechsmal jährlich unangekündigt die Baumwollfelder, stellen das Alter der Arbeitskräfte fest und dokumentieren dies. Produzenten, die die vertragliche Verpflichtung einhalten, keine Kinder als Arbeitskräfte einzusetzen, erhalten nach jeder Pflanzsaison einen Bonus. Wer jedoch gegen das vertragliche Verbot von Kinderarbeit verstößt, wird mit Sanktionen belegt, die von Verwarnung und Verlust des Bonus über einen Preisabschlag bis hin zur Vertragskündigung bei mehrmaligen Verstößen reichen.
Das Monitoring-System auf den Feldern wird nicht nur durch interne Audits überprüft, sondern auch einmal jährlich durch Ernst & Young, Indien. Diese Maßnahmen belegen, dass in unserer Zulieferkette für Baumwollsaatgut in Indien keine systematische Kinderarbeit vorkommt: Wir treffen nur noch vereinzelte Fälle von Kinderarbeit an, die wir sofort verfolgen und unterbinden. Aufgrund dieser positiven Erfahrung weiten wir das „Bayer CropScience Child Care Program“ derzeit auf die Gemüsesaatgutproduktion in Indien aus, wo wir ebenfalls Handlungsbedarf sehen.

Stakeholderbefragung in Indien: voneinander lernen

Im Dezember 2008 besuchte Irmela Koch, Studentin der Betriebswirtschaftslehre an der Universität Köln, das „Child Care Program“ von Bayer CropScience in Indien. Als Mitglied der studentischen Organisation „Students in Free Enterprise“ unterstützte sie das dortige Projektteam zwei Wochen lang bei einer Stakeholderbefragung. Mit der Befragung möchte Bayer herausfinden, wie sich die Schulsituation in Indien weiter verbessern lässt. „Das Engagement, mit dem Bayer sich in Indien gegen Kinderarbeit einsetzt, hat mich beeindruckt“, beschreibt Irmela Koch ihre Eindrücke. „Von der Aufklärung über ihre Rechte bis hin zum Ausbildungsplatz – Bayer unterstützt die Kinder und Jugendlichen in jeder erdenklichen Weise. Es ist gut zu sehen, dass ein Global Player seine Verantwortung ernst nimmt.“ Für sich selbst zieht Irmela Koch als Fazit: „Ich verstehe die weltweiten Zusammenhänge und die Bedeutung von Corporate Responsibility nun viel besser. Gerade bei einem so komplexen Thema wie Kinderarbeit ist es wichtig, die Umstände vor Ort genau zu kennen, um tragfähige Lösungen zu finden und den Menschen aus der Armutsfalle zu helfen.“
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